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Von der Geschichte der Zukunft

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Von der Geschichte der Zukunftsvorstellungen
Vor allem in der deutschsprachigen, aber auch in der internationalen Geschichtswissenschaft boomt seit einigen Jahren die Geschichte der Zukunft, die mit Niklas Luhmann und Reinhart Koselleck nicht als „future present“, sondern als „present future“ verstanden wird.1

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Vor allem in der deutschsprachigen, aber auch in der internationalen Geschichtswissenschaft boomt seit einigen Jahren die Geschichte der Zukunft, die mit Niklas Luhmann und Reinhart Koselleck nicht als „future present“, sondern als „present future“ verstanden wird.

  1. Während die Bedeutung von Zukunftsvorstellungen im Anschluss an Kosellecks Arbeiten zur Verzeitli- chung des politisch-sozialen Vokabulars in der sogenannten Sattelzeit zu- nächst insbesondere für das 18. und 19. Jahrhundert untersucht wurde, gerät zunehmend auch die Zukunft des 20. Jahrhunderts in den Blick.
  2. Angesichts von wissenschaftlich-technischen Modernisierungsprozessen, planvollen Um- gestaltungen von Wirtschaft und Gesellschaft und den politischen Verspre- chen von Kommunismus und Faschismus spielen Zukunftsvorstellungen in vielen zeithistorischen Kontexten eine wichtige Rolle.
  3. Jenseits dieser Einzel- forschungen ist jedoch unklar, ob und inwieweit eine Geschichte der Zukunft des 20. Jahrhunderts als Geschichte eines einheitlichen Zukunftshorizontes geschrieben werden kann, selbst wenn man sie auf den Westen oder ein bestimmtes Land beschränkt.
  4. Diese Unklarheit wird durch zwei Tendenzen der aktuellen Forschung zur Geschichte der Zukunft gefördert. Zum einen wird auf konzeptueller Ebene oft der Eindruck vermittelt, das 20. Jahrhundert sei auf die Fortsetzung und Neubesetzung des im 18. Jahrhundert eröffneten und im 19. Jahrhundert erweiterten temporalen Raums fixiert geblieben.
  5. Wenn von der Zukunft im Singular gesprochen wird, ist in der Regel die Zukunft gemeint, die in der Sattelzeit „entdeckt“ wurde. Das zeigt sich auch in der ungebrochenen, ja sogar noch zunehmenden Konjunktur des Koselleckschen Kategorienpaars „Erfah- rungsraum“ und „Erwartungshorizont“, das auf allen Diskurs- und Akteurs- ebenen eingesetzt wird, um die vergangene Zukunft zu analysieren.
  6. Dabei ist dem scheinbar anthropologischen Charakter dieser Kategorien der Bewegungsindex einer Diagnose der Moderne eingeschrieben, der mit ihrer Verwendung auch der Zeitgeschichte unterstellt wird. Angesichts der Beschränkung von Kosellecks empirischer Perspektive auf die sogenannte Sattelzeit ist unklar, wie sich das Verhältnis von Erfahrungsraum und Erwartungshorizont im 20. Jahrhundert entwickelt haben soll: Waren sie auseinandergetreten und blieben getrennt? Entfernten sie sich immer weiter voneinander durch erneute Beschleunigungsprozesse? Oder näherten sie sich einander wieder an, etwa durch avancierte Prognosetechniken? Weiterhin liegt Kosellecks Formel eine politische Anthropologie zugrunde, die mit Erfahrung und Erwartung zwei epistemische Größen voraussetzt, die im 20. Jahrhundert wissenssoziologisch und wissensgeschichtlich an Verbindlichkeit und Selbstverständlichkeit verloren. Eine vergleichbare historisch-anthropologische Kategorie wie zum Beispiel die der „Bereitschaft“, die wiederholt als Ausrichtung auf die Zukunft propagiert wurde, hatte ihre politische Pointe gerade darin, dass sie den Dualismus von Erfahrung und Erwartung überwinden sollte. Zum anderem folgen Narrative zur Zukunft des 20. Jahrhunderts oftmals Einschätzungen, die in der jeweiligen historischen Konstellation von Einzel- nen oder gesellschaftlichen Gruppen formuliert worden waren, ohne deren Verbreitung jedoch genauer auszumessen. So soll zum Beispiel das Fort- schrittsdenken im Ersten Weltkrieg, nach dem Zweiten Weltkrieg oder aber in den 1970er Jahren an sein Ende gekommen sein, wie schon zeitgenössische Intellektuelle behaupteten.
  7. Für die Zwischenkriegszeit wird die enorme Gestaltungskraft der politischen Utopien oder radikalen Zukunftsversprechen herausgearbeitet, die deren Protagonisten priesen und liberale Beobachter beklagten. Genauso schließt auch die Diagnose der Entutopisierung des Politischen nach dem Ende des Nationalsozialismus oder des Kommunismus an zeitgenössische Deutungen an.
  8. Das gilt ebenfalls für die Kontrastierung der gestaltungseuphorischen, vom Glauben an eine technisch zu perfektionieren- de Welt getragenen 1960er Jahre mit den pragmatisch-pessimistischen, zum Krisenmanagement tendierenden 1970er und 1980er Jahren, die schon den selbsternannten Krisenmanagern zur Profilierung ihrer Position diente.
  9. In allen Fällen wird eine Variante der historisch immer pluralen Zukunft verallgemeinert und damit die Zukunft einer bestimmten Akteursgruppe in die historiografische Beschreibung übernommen.
  10. Demgegenüber fragen wir ausgehend von der Vielfalt und Vielgestaltigkeit vergangener Zukunft, die in den bisherigen Forschungen zum Ausdruck kommt, ob und inwieweit generalisierende und zugleich valide Aussagen über die Geschichte der Zukunft des 20. Jahrhunderts möglich sind. Dabei plädieren wir dafür, sich vom Koselleckschen Ansatz zu lösen, der zwar für das 19. Jahrhundert viele wichtige Erkenntnisse hervorgebracht, zugleich aber zur Konzentration auf den Inhalt von Zukunftsvorstellungen sowie methodisch zur Dominanz eines ideen- und begriffsgeschichtlichen Zugriffs geführt hat. Stattdessen schlagen wir mit Blick auf zeitgeschichtliche Problemstellungen vor, nicht das Was, sondern das Wie des Zukunftsbezugs zum eigentlichen Gegenstand historischer Zukunftsforschung zu machen. Dazu unterscheiden wir verschiedene Modi der Zukunftsgenerierung, die nicht im Koselleckschen Erwartungshorizont aufgehen. Eine Typologie von Erwartungs-, Gestaltungs-, Risiko- und Erhaltungszukunft soll sowohl einen neuen Zugang zur vergan- genen Zukunft des 20. Jahrhunderts insgesamt eröffnen als auch eine Heuristik zur Analyse begrenzterer Fragen anbieten. Auf diese Weise kann die Geschichte der Zukunft zugleich anschlussfähiger für neuere kultur- und wissensgeschichtliche Ansätze werden. Bevor wir diese Typologie entwickeln, gilt es jedoch zunächst, sich die Vielgestaltigkeit und Pluralität des histori- schen Zukunftsbezugs zu vergegenwärtigen, die einfachen Generalisierungen im Wege steht. Die Explikation der Pluralisierungsfaktoren mag auf den ersten Blick selbstverständlich erscheinen, wird aber historiografisch gern vernach- lässigt. Ihre systematische Entwicklung erscheint uns auch deshalb gerecht- fertigt, weil sie den Ausgangspunkt für die anschließende Typologisierung bildet.

I. Vergangene Zukunftsbezüge – vernachlässigte Selbstverständlichkeiten

Die Pluralität vergangener Zukunftsbezüge resultiert aus drei Faktoren, die miteinander kombiniert werden müssen: Erstens ist Zukunft grundsätzlich ein relationaler Begriff; zweitens sind die Trägerinnen und Träger von Zukunftsvorstellungen immer vielfältig; und drittens kann die Zukunft in verschiedenen, irreduziblen Modi gefasst werden.

1. Relationalität

Die Zukunft wird nicht als solche gedacht oder vorgestellt, sondern immer als Zukunft von etwas. In einer Zeitschrift wie der kulturkonservativen und später rechtsrevolutionären Tat und einer Zeitung wie dem liberalen Berliner Tageblatt las man in der Weimarer Republik beispielsweise Artikel über die Zukunft Deutschlands, des Reichs, Europas, des Abendlandes und der Menschheit, der Finanzpolitik, des Städtebaus, der Justiz, der Außenpolitik, des Krieges und des internationalen Systems, der Philosophie, der Wissen- schaften, der Technik, der Religion oder der Kunst und Kultur. Inhaltlich zerfiel die Zukunft also in unzählige Gegenstandsbereiche, die oft ganz verschieden aussahen und nur schwer in einen vergangenen Zukunftshorizont integriert werden können.11 Denn schließlich mussten diese Zukünfte nicht miteinander harmonieren. So konnte trotz technologischer Zukunftseuphorie Deutschlands politische Zukunft als düster bewertet, darin aber zugleich ein Grund für eine kommende religiöse Erneuerung ausgemacht werden. Die Zukunft als solche tauchte zwar in allgemeinen Reflexionen auf, etwa wenn man sich auf sie vorbereiten oder sie herbeiführen sollte oder schlicht fragte, was sie „bringen würde“, aber auch diese Formulierungen entstanden immer im Kontext bestimmter thematischer Zusammenhänge.

2. Träger

Wenn Menschen ihre Handlungen grundsätzlich an der Zukunft ausrichten und ihre Stimmungen von Zukunftserwartungen abhängen, dann variieren diese Vorstellungen nach genau den gleichen Kategorien wie andere Einstel- lungen und Verhaltensweisen. Die gegenwärtige Zukunft hängt also jeweils von der sozialen Stellung, vom Geschlecht, von der ethnischen Zugehörigkeit, vom Wohnort, vom Alter und anderen Distinktionsmerkmalen ab. Wo Feminis- tinnen im 20. Jahrhundert emanzipatorische Hoffnungen einer gleichberech- tigten Partizipation von Frauen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens verbreiteten, waren dies für konservative Kräfte dystopische Visionen einer Auflösung der Geschlechterordnung. Auch die Diskrepanz zwischen der langen Zukunftsperspektive der Jugend und der kürzeren älterer Generationen führte im 20. Jahrhundert immer wieder zu massiven Konflikten, in denen die Generationalität selbst zu einer politischen Kategorie wurde.12 Selbst wirt- schaftliche Krisenzeiten wie in der Weimarer Republik oder in den 1970er Jahren, denen gemeinhin eine negative Wirkung auf den Zukunftshorizont der Bevölkerung nachgesagt wird, boten zugleich immer auch Chancen für individuelle Krisengewinner.

20. Jahrhundert mehrfach erhobenen Forderung, für das Vaterland zu sterben, das heißt also die individuelle Zukunft für die des Kollektivs zu opfern. Insofern Menschen nicht nur einem Kollektiv angehören, sondern in ver- schiedenen Rollen auch in unterschiedliche Kollektive integriert sind, sind konfligierende Zukunftsbezüge die Regel und nicht die Ausnahme. Neben diesen unterschiedlichen Kollektiven bildeten und bilden zudem auch Insti- tutionen und Organisationen Zukunftsbezüge aus, die weder mit der individuellen noch mit der kollektiven Zukunft der Mitarbeiter identisch sein müssen.

3. Modi

Die explizite Zukunftsvorstellung, gern als Zukunftsbild im Stile der klassi- schen Utopie oder Dystopie gedacht, über deren Fehlerhaftigkeit man sich leicht ex post amüsieren kann, ist der hauptsächliche Bezugspunkt der historischen Zukunftsforschung.13 Zeitgenössisch war sie aber nur eine mögliche Form, Zukunft zu generieren, neben der andere zumindest ebenso häufig und wirkmächtig waren. Aus der elementaren Zukunftsgerichtetheit menschlichen Lebens resultiert eine große Vielfalt möglicher Zukunftsbezüge, die sich auch in der Vielzahl sprachlicher Ausdrücke niederschlägt, mit denen über die Zukunft gesprochen werden kann. Im Deutschen können wir zukünftige Ereignisse nicht einfach nur erwarten, wie es Kosellecks Erwar- tungshorizont als generischer Begriff suggeriert, sondern wir können sie erhoffen, ersehnen, erträumen und wünschen genauso wie wir sie erahnen, befürchten oder ihnen mit Sorgen entgegensehen können, wenn sie uns drohend bevorstehen. Wir können zukünftige Handlungen vorhaben, planen, entwerfen, vorausberechnen, beabsichtigen, bezwecken und auf sie hinsteu- ern, sie aber auch prophezeien, weissagen, ankündigen, verkündigen, offen- baren, prognostizieren, vorhersagen oder voraussagen. Wir können vor der Zukunft warnen, etwas für die Zukunft, uns aber auch etwas von ihr versprechen oder sie kann uns schlicht vorschweben.

Die Vielfalt des sprachlichen Zukunftsbezugs wurde in der Forschung auf verschiedene Weise klassifiziert. Schon in den 1960er Jahren unterschied zum Beispiel Georg Picht Utopie, Prognose und Planung als drei Grundformen: Während in der Utopie ein zukünftiger Idealzustand entworfen wird, ist die Prognose grundsätzlich wissenschaftsförmig, indem in ihr Entwicklungsten- denzen der Gegenwart in die Zukunft verlängert werden. Planungen sind demgegenüber Aussagen darüber, mit welchen Handlungen und Maßnahmen bestimmte zukünftige Zustände hergestellt oder vermieden werden können und haben also einen stärker aktiven Charakter.14 Dieser Trias ist zumindest noch die Prophetie als vierter Modus hinzuzufügen. Bei ihr wird nicht aus der Gegenwart in die Zukunft geblickt, sondern gewissermaßen in umgekehrter Richtung die Gegenwart aus der geoffenbarten Zukunft bewertet.15 Da sich diese vier Grundmodi weiter ausdifferenzieren lassen und in ihren zeitlichen Dimensionen nicht festgelegt sind, ergeben sich auch hier verschiedene Kombinationsmöglichkeiten wie zum Beispiel zwischen der Prognose eines nahen Niedergangs und der Prophetie einer fernen Erlösung.16

Die Pluralität vergangener Zukunftsbezüge resultiert nun daraus, dass die drei Faktoren auf nahezu alle Weisen miteinander kombiniert werden können: In jedem sprachlichen Modus können Individuen, Kollektive und Institutionen Zukunftsvorstellungen über jeden beliebigen Gegenstandsbereich unterhal- ten. Wie für die einzelnen Vervielfältigungsfaktoren jeweils angedeutet wurde, müssen diese Zukunftsbezüge nicht deckungsgleich sein, sodass sich zu jedem Zeitpunkt ein vielfältiges und komplexes Feld des menschlichen und gesell- schaftlichen Zukunftsbezugs ergibt. In vielen Arbeiten über die Geschichte der Zukunft im 20. Jahrhundert wird dieses jedoch unzulässig vereinfacht. Es wird eine bestimmte Trägergruppe und ein bestimmter Gegenstandsbereich privi- legiert und stellvertretend für das ganze Feld genommen. So basieren etwa die Abgesänge auf das Fortschrittsdenken und die Idee des Fortschritts im 20. Jahrhundert vor allem auf Quellen, die von geisteswissenschaftlich gebil- deten Intellektuellen verfasst wurden und übersehen die fortdauernde At- traktivität des Fortschrittsbegriffs bei naturwissenschaftlich-technischen Eliten.17

Ansatzpunkte für eine allgemeine Geschichte der Zukunft des 20. Jahrhun- derts scheinen uns nur dann zu gewinnen zu sein, wenn nicht nach dem Inhalt gefragt wird, sondern vielmehr zunächst die Formen der vergangenen Zukunftsbezüge geordnet werden. Damit ist auch verbunden, sich von der Zukunftsvorstellung als Leitbegriff der Forschung zu verabschieden, der zur Konzentration auf das möglichst Artikulierte, ideen- und begriffsgeschichtlich Fassbare führt. Mit dem Begriff der Zukunftsgenerierung richtet sich der Fokus stattdessen auf Verfahrensweisen und Handlungslogiken sowie deren kontextuelle und institutionelle Bedingungen, die sich begrifflich an einer Bezugsgröße „Zukunft“ ausrichten, ohne immer zu Vorstellungen zu gerin- nen. Ob etwas für die Zukunft erwartet, ob sie geplant oder erhofft, ob für sie vorgesorgt oder etwas für sie erhalten werden soll, entscheidet darüber, wie sie konzipiert wird und setzt damit die Bedingungen der Möglichkeiten ihrer Inhalte.

Während es sich aus der Perspektive der Zeitgenossinnen und Zeitgenossen um Formen des Zukunftsbezugs handelt, ist dieser Begriff, der zwei Zeitebe- nen miteinander relationiert, analytisch wenig fruchtbar, insofern er die zeitgenössische Reifizierung der Zukunft übernimmt. Will man vor der offenkundigen Pluralität der Zukunftsbezüge im 20. Jahrhundert nicht kapitulieren und sie zum Hintergrundrauschen vereinfachender Thesen erklären, muss man sie selbst zum Ausgangspunkt der Untersuchung machen und genauer ausdifferenzieren, ohne dabei den Anspruch aufzugeben, etwas über die Geschichte der Zukunft des 20. Jahrhunderts insgesamt zu sagen. Auf diese Weise wird es möglich, die Zukunft des 20. Jahrhunderts weder als Fortsetzung des einmal im 18. und 19. Jahrhundert eröffneten, aber prinzipiell stabil bleibenden temporalen Raums zu verstehen, der einfach nur anders gefüllt oder situativ teils gedehnt, teils verknappt wurde, noch als bloße Geschichte der vielen Gegenstände, die diesen Raum bevölkerten.

II. Generierungsmodi der Zukunft: Erwartung und Gestaltung, Risiko und Erhaltung

Eine solche Geschichte der Zukunft muss als Geschichte der mentalen, sprachlichen und praktischen Strukturen und Verfahren verstanden werden, im Rahmen derer sich Menschen im 20. Jahrhundert auf Zukunft bezogen beziehungsweise diese überhaupt erst erzeugt haben. Die Historisierung vergangener Zukunft muss auch deshalb auf der Ebene der Generierungsfor- men ansetzen, weil sich hier der wichtige und für das Jahrhundert charak- teristische Wandel vollzog. Konflikte über die Art und Weise, wie man sich auf Zukunft zu beziehen habe, waren im 20. Jahrhundert oft tiefgreifender als die inhaltlichen Divergenzen und konnten letzteren zugrunde liegen. Sie machen einen Großteil der allgemeingeschichtlichen Relevanz einer Geschichte der Zukunft im 20. Jahrhundert aus. So verstanden lässt sich die vergangene Zukunft aber, wie zu zeigen sein wird, nicht in ein leitendes Narrativ, eine Abfolge von Aufstieg und Verfall, Euphorie und Skepsis oder Optimismus und Pessimismus integrieren, sondern muss als Interrelation und Konkurrenz heterogener Zukunftserschließungen begriffen werden, die verschiedene Ursprünge hatten. Im Anschluss an die in den letzten Jahren in verschiedenen Bereichen der Zeitgeschichte sprunghaft angestiegene zukunftssensible For- schung unterscheiden wir im Folgenden vier Modi des Zukunftsbezugs, die wir für grundlegend für eine Geschichte der Zukunft des 20. Jahrhunderts halten: Erwartungszukunft, Gestaltungszukunft, Risikozukunft und Erhaltungszukunft.

Betrachtet man die Zukunft des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive ihrer Generierungsformen, so wird das zukunftsgeschichtliche Erbe des 19. Jahr- hunderts von einem konzeptuell-heuristischen Apriori zu einem Untersu- chungsstrang unter mehreren, der zudem in seinem Verlauf an Bedeutung und Selbstverständlichkeit verlor. Zur begrifflichen Unterscheidung bezeichnen wir diese Zukunft als Erwartungszukunft, die man klassischerweise und auch weiterhin in politisch-sozialen Ideologien und Programmatiken, intellektuel- len Großentwürfen und Technikvisionen, aber auch als Identifikations- und Projektionsfläche individueller Hoffnungen findet. Für sie war die Verbindung von normativ definierter Zielvorstellung, dem Bewegungsindex eines mög- lichst linearen Fortschritts und vor allem der Erwartungsgewissheit des Eintreffens kennzeichnend gewesen. Grundsätzlich erzeugten diese Erwar- tungszukünfte eine kollektive Verbindlichkeit und beanspruchten die Inte- gration verschiedener Lebensbereiche unter einem gemeinsamen Flucht- punkt, indem sie alle gleichermaßen von dem Vorgang erfasst wurden, den Koselleck als „Verzeitlichung“ beschrieben hat. Das eigene Handeln konnte auf diese Weise in einen objektiven Prozess eingeordnet werden, den man sowohl erwarten als auch erhoffen konnte.18 Die Zukunftsgeschichte des 20. Jahrhun- derts kann zu einem nicht unbeträchtlichen Teil als eine Enttäuschungs- und Verschleißgeschichte dieses überkommenen Modus erzählt werden, die schon mit und nach dem Ersten Weltkrieg einsetzte und nicht erst mit dem „Ende der Utopien“ oder den sogenannten „Grenzen des Wachstums“.19 Zugleich wurden diese umfassenden Erwartungszukünfte aber nicht vollständig aufgegeben, sondern sie existieren vielmehr in verschiedenen Formen und inzwischen oft mit globalen Ansprüchen bis in unsere Gegenwart fort. Auch hier erscheinen also Pluralität und Deutungskonkurrenz plausibler als eine lineare Verlustgeschichte.

20. Jahrhunderts der Konflikt zwischen dem Beharren, dem enttäuschungsresistenten Vertrauen und der offiziellen Erwartungsverordnung auf der einen und ihrer Verabschiedung nach Enttäuschungen auf der anderen Seite, die zur Ausbildung von oppositionellen Zukunftsbezügen führten. Letztere stabilisierten sich in Haltungen bewusster Erwartungszukunftsverweige- rung etwa in jugendlichen Subkulturen, privaten Aussteigerutopien oder auch dissidenten Zukunftsbezügen im Ostblock. Das Denken in „Alterna- tiven“, wie es sich dort, und ebenfalls in den alternativen Bewegungen und Lebensformen westlicher Gesellschaften auch semantisch profilierte,20 kann als Musterbeispiel solcher Zukunftsformate gelten, weil es schon in der Selbstbezeichnung aus der linearen Temporalität ausstieg. Die Alternativen wollten der dominanten, linearen Erwartung die Macht nehmen, hielten zugleich aber den Anspruch normativer und integraler Gesellschaftsentwürfe weiterhin aufrecht.

Zu diesem Ausstieg trug bei, dass die normativen Ordnungsvorstellungen, die seit Mitte des Jahrhunderts auf globaler Ebene und in den Neuen Sozialen Bewegungen in den Vordergrund traten, nämlich Humanitarismus, Men- schenrechte und Ökologie, temporal neu strukturiert waren. Im Zentrum des Menschrechtsdiskurses stand das Opfer, nicht der Revolutionär und damit eine Erinnerungspolitik der vergangenen Gewalttat, nicht der weltgeschicht- liche Fortschritt des Kollektivs. Menschenrechte fungieren zwar vor allem seit den 1970er Jahren als Leitbild im Sinne einer „letzten Utopie“,21 argumentieren zugleich aber postulatorisch, nicht mehr geschichtsphiloso- phisch, indem sie nicht als sich selbst verwirklichender beziehungsweise von einer Massenbewegung getragener und durchgesetzter Prozess gedacht werden. Ökologische Zukunftsvorstellungen changieren demgegenüber zwischen fatalistischen Apokalypsen, für die nicht zuletzt vergangene Erwartungszukünfte und Fortschrittsvorstellungen verantwortlich gemacht werden, und Versprechen eines technological fix oder aber eines Ausstiegs aus der modernen Erwartungszukunft überhaupt.22 Inwieweit Ökologie und Menschenrechte als Teil einer generellen Entzeitlichung zentraler politisch- sozialer Semantiken im 20. Jahrhundert gesehen werden können, wäre zu untersuchen. Vieles spricht dafür, dass diese ihren Bewegungsindex im Sinne Kosellecks verloren. Über Zukunft wurde und wird unvermindert oder gar zunehmend gesprochen und geschrieben, aber immer weniger im Modus des auf eine bestimmte Zukunft unweigerlich zulaufenden und begrüßenswerten Prozesses.

Darüber hinaus wird in diesem Zusammenhang eine Entkollektivierung sichtbar, die sich als Konsequenz aus der Enttäuschung von Erwartungszu- künften ergibt, umgekehrt aber auch ihrerseits dazu beiträgt, die Schwelle dieser Enttäuschung immer weiter abzusenken. Die Enttäuschungserfah- rungen über „The God that Failed“ werden als autobiografischer Bruch erzählbar, der sich wiederum zu generationellen Abgrenzungen aggregieren kann und sich insgesamt zum Verlust kollektiver Bindungskraft und Bindungsfunktion von Zukunftsentwürfen summiert.23 Der kollektive Erwartungsverschleiß unterstützt eine auf das Individuum zentrierte Gedächt- nispolitik, nach deren Logik die Zukunftserwartung per se zum Generator kollektivistischer Gewalt wird. In diesem Sinne war die Zukunft auch für den klassischen Antitotalitarismus liberaler Prägung schon früh verdächtig, und die Utopie galt als Ort des kollektiven Zwangs.24 Ganz ähnlich wird im Ökologiediskurs ein natürlicher Gleichgewichtszustand der Natur imagi- niert, der durch die Gewalt des technischen Fortschritts und der Industri- ellen Revolution verletzt oder zerstört worden sei, sodass auch die Natur zum Opfer vergangener Erwartungszukunft wird, das in Zukunft geschützt werden soll.

Eine andere Desintegration der Erwartungszukunft deutete sich schon am Anfang des Jahrhunderts an, um dann in seinem Verlauf zum Gemeinplatz zu werden: Unter anderem am Fortschrittsbegriff lässt sich eine Aufteilung und Sektoralisierung der Zukunft nach verschiedenen Bereichen beobachten.25 Das Technische, das Ökonomische, das Politische, das Geistig-Moralische und das Soziale, die beispielsweise noch in der klassischen Modernisie- rungstheorie als interdependent verstanden worden waren,26 wurden nun zunehmend entkoppelt, auch wenn immer wieder einzelne Bereiche für dominant erklärt wurden. Die lineare Erwartung konnte aber letztlich nur um den Preis ungleicher Fortschrittsgeschwindigkeiten oder des völligen Stillstands einzelner Sektoren aufrechterhalten werden. Die sogenannten Zukunftseuphorien galten also, wie oben angedeutet, schon früh nur sehr selektiv, konnten als solche aber angeblich pessimistische Phasen überste- hen. Auch verräumlichende Staffelungen, Pausen und Fortschrittsmorato- rien wurden in das argumentative Arsenal der Erwartungszukunft im Stadium ihrer Realisierung aufgenommen. Exemplarisch gilt das etwa für das Konzept der „Dritten Welt“ oder den stalinistischen „Sozialismus in einem Land“.27 In diesem Sinne lassen sich auch Musterbeispiele der Zukunftsbe- geisterung wie der sogenannte „Astrofuturismus“ als verräumlichte Aus- weich- oder Ersatzzukünfte deuten, bei denen allerdings fraglich ist, wie viel politisch-soziale Erwartungsgehalte sich an ihnen noch anlagern konnten.28 Die vereinheitlichenden, parallelisierenden Konvergenztheorien der Ent- spannungsphase des Kalten Krieges verweisen zudem darauf, dass solche Sektoralisierungen zu Entnormativierungen führen und als deskriptive, unausweichliche Zukünfte dann keine ideologische Distinktionskraft mehr entfalten. Dass der normativ neutrale oder indifferente Fortschritt zugleich seinen Bewegungsindex verloren hatte, war schon lange vor den Begrün- dungen des Posthistoire und seiner Entzeitlichungsabsicht behauptet wor- den. Das ändert aber nichts daran, dass Fortschrittsvorstellungen bis in unsere Gegenwart hinein die wissenschaftlich-technischen Eliten wie auch Teile des politischen Diskurses bestimmen.29 Wo Fortschrittsperspektiven weiterverfolgt werden, werden sie zunehmend vom Nationalstaat gelöst und stattdessen etwa im Rahmen der Vereinten Nationen, ihrer Unterorganisa- tionen und der mit ihnen konkurrierenden Nichtregierungsorganisationen vor allem auf internationaler und globaler Ebene formuliert.30

Das Schicksal der Erwartungszukunft hängt davon ab, inwiefern es ihren Trägerinnen und Trägern gelingt, sie gegen ihre immer defizitäre Realisie- rung zu immunisieren.31 Auch deswegen ist es sinnvoll, von ihr solche Zukunftsbezüge zu unterscheiden, die gerade durch die Logiken, Praktiken und Anstrengungen ihrer Herbeiführung produziert werden. Dieser zweite Typus, den wir Gestaltungszukunft nennen, ist in der Forschung bisher vor allem am Paradigma der Planung diskutiert worden, das sich zunächst unscheinbar aus praktischen Zusammenhängen entwickelte, schon im Ersten Weltkrieg diskursiv omnipräsent war, seit der Mitte des Jahrhunderts zunehmend auch das populäre Zukunftsbild bestimmte und den Zukunfts- bezug tiefgreifend veränderte.32 Die Gestaltungszukunft wird nicht erwartet oder erhofft, sondern festgelegt und gesetzt, sie wird nicht beschrieben und vorgestellt, sondern entschieden. Sie folgt dabei im hohen Maße einer institutionellen und keiner geschichtsphilosophischen Rationalität. Es geht bei ihr um Zuständigkeiten, Fristen und Handlungsspielräume in Politik, Verwaltung und Wirtschaft, aber auch in zivilgesellschaftlichen Verbänden. Praktische Techniken und Tätigkeiten verschaffen dieser Zukunft zunächst ganz unspektakulär und unterhalb des intellektuellen Höhenkamms faktische Relevanz und greifen, auch vermittelt durch Expertenkulturen und Verwissenschaftlichung, in immer zahlreichere, auch sozialtechnologische Bereiche des Lebens ein.33 Ihre Institutionalisierung verleiht der Gestal- tungszukunft eine Beharrungskraft und Resistenz gegenüber Konjunkturen des öffentlichen Zukunftsdiskurses, auch wenn sie sich nicht unabhängig von ihm vollzieht. Auch hier kann eine langfristige Perspektive zeigen, dass das Planungsparadigma seit den 1970er und 1980er Jahren zunehmend individualisierte und flexible Formate entwickelte, für die insbesondere der Begriff des Projekts steht, das die Art, wie Wirtschaftsunternehmen und das liberale und sich selbstverwirklichende Subjekt in die Zukunft ausgreifen, bis in die Gegenwart bestimmt.34 Die damit verbundene Experimentalisie- rung und Entsicherung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Zugriff aufs Individuum eher zu- als abnimmt – die Frist kann hier zum Lebens- abschnitt, die Aufgabe zur Identität werden.

Planung provoziert Konfliktlinien, die wiederum nicht sinnvoll als Protest gegen bestimmte inhaltliche Entwürfe, sondern vielmehr gegen den Modus der Zukunftsgestaltung selbst zu verstehen sind. Neben explizitem Wider- stand stehen alternative, partizipativ und performativ gedachte Planungs- formen. Diese Konflikte verlaufen entlang der Achse von Festlegung versus Offenhalten, die beispielsweise im gegenwärtigen Ökologiediskurs als Opposition zwischen Nachhaltigkeit als bewusster Konservierung von Lebensgrundlagen und Resilienz als Gestaltung von Lebensformen, die beliebige und noch nicht antizipierte Schocks überstehen können, auf- scheint.35 Dieser Konflikttypus spielt auch eine Rolle bei der Vermittlung zwischen individuellen und kollektiven Zukünften, also zwischen Freiheit und Absicherung.

Die Planung wird dann signifikant für eine Geschichte der Zukunft des 20. Jahrhunderts, wenn man sie nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines größeren Feldes von Strategien praktischer Zukunftserschließung versteht. Dazu gehören als extreme Gegenmodelle auch Formen, die Zukunft nicht vorgreifend festlegen, sondern durch spontaneistische, voluntaristi- sche, aktivistische und dezisionistische Sprünge gleichsam im Hier und Jetzt erzwingen wollen. Institutionelle und aktivistische Zukünfte, das Festlegen und das voluntaristische und existenzialistische Herbeizwingen sind sowohl in einer Konfliktgeschichte als auch in einer symbiotischen Geschichte aufeinander zu beziehen. Beide bestimmen die Zukunftsbezüge im 20. Jahr- hundert zumindest ebenso wirkmächtig und nachhaltig wie die intellektuellen Erwartungszukünfte. Beide sind ohne den ideengeschichtlichen Vor- lauf eines intellektuell generierten Begriffs von der Zukunft vielleicht nicht denkbar, treten aber aus ihm heraus und stammen auch aus Verwaltungs- routinen oder antirationalistischen Affekten. Sie substituieren die theore- tische Gewissheit über die Zukunft, die zum Warten erforderlich ist, durch praktische Setzungen, durch unmittelbare Handlungsimperative und -zwän- ge. Sie verabschieden sich damit zum Teil explizit von den Evolutions- und Revolutionsbegriffen des 19. Jahrhunderts. Stattdessen entzeitlichen sie, erlauben punktuelle Sprünge, Personalisierungen, dezisionistische, durch Anstrengung und Macht erreichbare Zielsetzungen. Der Moment, das Möglichkeitsfenster und die Frist treten an die Stelle des Prozesses, dessen Eigenlogik und Unverfügbarkeit nicht mehr akzeptiert werden. Der Zu- kunftsbezug des Nationalsozialismus etwa wäre ohne das Zusammenspiel beziehungsweise die zum Teil paradoxe Koexistenz beider Muster nicht angemessen zu verstehen. In diesem Sinne ist er eine „Beschleunigungsdik- tatur“, aber nicht im Sinne der Verzeitlichung und des sich beschleunigen- den Fortschritts des 19. Jahrhunderts.36 Er verzichtet gerade auf die Ver- wirklichungsfristen der Zukunft, die Erwartungsvertrauen verlangen, son- dern gibt vor, sie in der Gegenwart zu realisieren und öffnet zugleich den Zukunftsbezug hin zu fundamentalisierenden, geradezu ahistorischen Vor- stellungen von Dauer. Auch diese aktivistischen Modi des Zugriffs auf die Zukunft blieben im 20. Jahrhundert durchgängig abrufbar, etwa in der Studentenbewegung, im politischen Extremismus und Terrorismus oder der Antiglobalisierungsbewegung, und verbinden sich also mit einem anderen Typus politischer Bewegungen als die Erwartungszukünfte.

Von der Erwartungs- und Gestaltungszukunft unterscheiden wir als dritten Modus des Zukunftsbezugs die Risikozukunft. Diese dient weniger der Optimierung oder Gestaltung, sondern vielmehr der Sicherheit. Ihre tem- porale Struktur ergibt sich nicht aus Beschleunigung, sondern aus Dring- lichkeit. Es sind befürchtete und gefährliche Zukünfte, die vor allem zu dem Zweck entworfen und prognostiziert werden, um sie vermeiden oder zumindest gegen sie vorsorgen zu können.37 Sie tauchen oft flüchtig auf und zerfallen wieder, was sich auch in ihrer Debattenlogik niederschlägt. Das verschafft ihnen von vornherein eine andere Entstehungs- und Wirkungs- logik: Es handelt sich um hypothetische Szenarien, die im Gegensatz zu den self-fulfilling prophecies der Erwartungszukunft gleichsam als self-destroy- ing prophecies funktionieren sollen und sich vor allem im Zusammenhang der Risikokategorie verbreiten.38 Da ihr artifiziell-wissenschaftlicher Cha- rakter die Zukunft im Modus der Wahrscheinlichkeit präsentiert, kann sie nicht auf einem linearen Zeitstrahl verortet werden und tritt aus dem Modus der Erwartungs- und Gestaltungszukunft heraus. Hier soll nicht auf das gewiss Erwartete hingelebt, sondern auf das je Befürchtete oder gar Unerwartete vorbereitet werden. Genau genommen ersetzt hier also Kalku- lation Erwartung. Die Bereitschaft, die so erzeugt wird, ist nicht die des Mithandelnden, Verwirklichenden wie in den aktivistischen Gestaltungszu- künften, sondern desjenigen, der gewappnet und abrufbar ist. Noch viel stärker als bei der Planung sind diese Zukünfte auf spezifische Gegenstände, Problemlagen und Situationen bezogen. Daher stammt dieser Modus auch aus dem militärischen contingency planning, versicherungstechnischen Berechnungen oder technischen Expertisen.39 Dieser Ursprung darf nicht vergessen werden, wenn diese zunächst eher marginalen Zukünfte im Verlauf des 20. Jahrhunderts zunehmend den öffentlichen und privaten Zukunfts- bezug bestimmen.40

Auch diese Art der Zukunftsgenerierung ist als Konfliktfeld zu verstehen, auf dem verschiedene Varianten konkurrieren. Die wichtigste Achse besteht hier zwischen den Polen von Verwissenschaftlichung und Emotionalisierung. Angst in Betroffenen- und Bürgerbewegungen und wissenschaftliche Risi- kobewirtschaftung in verschiedenen Expertenkulturen können so auch als Konflikte um verschiedene Modi des Zukunftsbezugs verstanden werden, die unmittelbar politische Entscheidungen beeinflussen.41 Immer ausgefeiltere Kalkulationen und Strategien des Risikomanagements einerseits und immer effektivere Angstkommunikationen andererseits bildeten divergierende politische Rhetoriken aus, über die im öffentlichen Raum dieselben Proble- me verhandelt wurden. Entlang dieser Linie trennen sich die Aktivisten und Experten der Neuen Sozialen Bewegungen von denen aus Wirtschaft und Verwaltung. Zum Teil quer dazu stehen schließlich die Strategien, mit deren Hilfe diese Art von Zukunft entweder kollektiviert oder individualisiert wird. Eine weitere Frontlinie ergibt sich aus dem Gegensatz von Possibilisten und Deterministen. Deterministisch-fatalistische Katastrophenszenarien, etwa bei Demografie und Klima, bilden hier als negative Erwartungszukünfte aber nur einen Grenzfall, der sich kaum von der Vorsorgelogik abzukoppeln vermag: Auch er hat Appell- und Abschreckungsfunktion. Und schließlich gibt es auch hier eine Form von Zukunftsverweigerung, die vor allem als zu bekämpfende Sorglosigkeit in den Blick der Präventionsbefürworter und -institutionen gerät.

Ob Optimierung, Gestaltung oder Abwehr, die geschilderten Arten des Zukunftsbezugs treffen sich alle darin, dass sie Zukunft über die teils einschneidenden Veränderungen definieren, mit denen sie sich von der Gegenwart und Vergangenheit unterscheidet oder unterscheiden könnte. In diesem einen Punkt entsprechen sie dem Zukunftsbegriff des 19. Jahrhun- derts. Anders als dort dürfen jedoch für das 20. Jahrhundert auch die Diskurse und Praktiken der Erhaltung und Bewahrung nicht als das defensive oder passive Andere der Zukunftsdiskurse gedeutet werden, sondern vielmehr als ein weiterer, vierter Modus der Zukunftsgenerierung, den man Erhaltungszukunft nennen kann. Er produziert Zukunft und besetzt sie auch semantisch, indem er weitergeben, hinterlassen und bewahren will. Er ist damit auch mehr als nur das positive Gegenstück zu den Risikozukünften. Denn für das Bewahren reicht bloße Sorge oder Angst nicht aus: Es geht nicht nur um Vorsorge und Gefahrenabwehr, sondern im Kern um das normative Projekt, eine erhaltenswerte Substanz zu definieren und zu sichern, um derentwillen man beansprucht, willens und in der Lage zu sein, von der individuellen und generationellen Betroffenheit der Gegenwart zu abstrahieren. Getragen wird dies von Ethiken der intergene- rationellen Gerechtigkeit und einer Treuhänderschaft für die Zukunft.42 Die hier dominierenden Konfliktlinien drehen sich daher auch um Geltung und Akzeptanz, die zu einem Verteilungskampf um Zukunftsanteile und Zu- kunftslasten werden. Sie verlaufen zum großen Teil zwischen den Entgren- zern und Begrenzern solcher Imperative des Bewahrens sowie zwischen den durch sie Verpflichteten und den Indifferenten. Zukunft strukturiert sich hier also temporal nicht über Dringlichkeit, sondern über Projektionen von Dauer.

Charakteristisch für die Erhaltungszukunft waren im 20. Jahrhundert vor allem drei Entwicklungen. Erstens wurde gerade durch die verstärkte Wahrnehmung von Brüchen und Bedrohungen Dauer zum erklärten Zu- kunftsprojekt, zu einem Überdauern von etwas, das zukunftssicher gemacht werden sollte. Dafür steht etwa das Welterbeprojekt der UNESCO: Man will sich nicht mehr auf ein Fortbestehen verlassen, sondern errichtet die Zukunft gleichsam als Schutzzone durch rechtliche Tabuisierung in der Gegenwart.43 Erlaubt wird das auf einer anderen, ideologiegeschichtlichen Ebene auch durch eine erst im 20. Jahrhundert mögliche Verschränkung von konservativen Semantiken und Zukunftssemantiken. Dass es zum Beispiel in der sogenannten Konservativen Revolution möglich wurde, das Konservative dadurch zu definieren, dass es erst noch schaffen müsse, was zu erhalten sich lohne,44 zeigt nur für einen ideologischen Extremfall einen generellen Seitenwechsel der Bewahrung von der Tradition zur Zukunft an. Und dafür steht, wieder auf einer ganz anderen Ebene, ein neuer Begriff von Haltbarkeit in der technisch-industriellen Welt und ihrer Produkte, eine Art von Dauer, die ganz unselbstverständlich geworden ist und die ständige Anstrengung der Wartung, Instandhaltung und auch Wiederverwertung verlangt. Zwei- tens, auch das zeigt das Welterbeprojekt, veränderten sich die Begriffe von Dauer in diesem Jahrhundert dadurch, dass natürliche, technisch-dingliche und menschliche Zeitrhythmen füreinander durchlässig wurden und eine hybride Temporalität erzeugten. Das Projekt der Bewahrung kommt ohne solche Verschränkungen nicht mehr aus, wie sie auch der Begriff der Nachhaltigkeit enthält, der sich in allen Lebensbereichen verbreitet hat.45 Auch das Konzept des Anthropozän ist ein Beispiel dafür, wie die Intention des Bewahrens dem menschlichen Handeln vorher kaum denkbare Zeitdi- mensionen erschließt oder wenigstens unterstellt.46 Und drittens steht das Welterbe dafür, dass diese Dimension des Erhaltens zunehmend mensch- heitlich gedacht, auf die Gattung bezogen wird. Dem wird auch dadurch vorgearbeitet, dass Bewahren auf neue Weise mit Überleben konvergiert. Damit hat es den Fortschritt als Träger einer Globalisierung und Ver- menschheitlichung von Zukunft noch übertroffen und teilweise abgelöst.

III. Fazit

Die in diesem Aufsatz vorgestellte Typologie der Zukunftsgenerierung ließe sich sicher noch erweitern oder verfeinern. Nichtsdestoweniger erscheint uns zumindest die Unterscheidung von Erwartungs-, Gestaltungs-, Risiko- und Erhaltungszukunft von zentraler Bedeutung zu sein, wenn man verstehen will, wer im 20. Jahrhundert mit welchen Intentionen und auf was für Arten jeweils welche inhaltlichen Zukunftsvorstellungen hervorge- bracht hat. Die Untersuchung der Modi des Zukunftsbezugs ist schon deshalb entscheidend, weil sich gerade an ihnen im 20. Jahrhundert wichtige Konflikte über die Zukunft entzündeten. Die Enttäuschten stritten mit den Enttäuschungsresistenten; diejenigen, welche die Zukunft in Plänen und Programmen festlegten, mit denen, die sie offenhalten wollten; die vorgeb- lich rational Kalkulierenden befanden sich im Konflikt mit den Angsterfüll- ten und die, die erhalten wollten, mit denen, die dies für unwichtig hielten. Diese Gruppen waren nicht statisch, sondern veränderten sich beziehungs- weise entstanden immer wieder neu, wobei zugleich eine Tendenz zur Individualisierung von Zukunft auszumachen ist. Jede der Konfliktlinien konnte sich auf alle möglichen Lebensbereiche beziehen und daher in bestimmten Phasen hegemonial werden, wobei unterschiedliche Mechanis- men und Medien zur öffentlichen Aufmerksamkeitssteigerung genutzt wurden.

Zugleich sollte deutlich geworden sein, dass die Modi der Zukunftsgenerie- rung einander im 20. Jahrhundert nicht einfach ablösten, sondern über weite Strecken als verschiedene Zukunftsbezüge koexistierten oder miteinander konkurrierten. Gestaltungszukünfte etwa substituierten politische Program- matiken und höhlten sie allmählich aus, während diese zugleich beharrlich weiterliefen, auch wenn derweil schon vorsorglich über Grenzen des Wachstums oder der Machbarkeit diskutiert wurde. Erwartungszukünfte zeigten sich erstaunlich enttäuschungsresistent, sofern sie sich auf eine solide Trägerstruktur stützen konnten. Vorsorge vollzog sich lange in Spezialdiskursen unterhalb der öffentlichen oder politischen Aufmerksam- keitsschwelle, ohne deshalb weniger wirkmächtig für die politisch-soziale Zukunft gewesen zu sein als die öffentlichen Diskurse. Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Modi beobachteten sich wechselseitig, reagier- ten aufeinander, förderten oder hemmten und bekämpften sich gegenseitig. Darüber hinaus entwickelten sich Mischformen, in denen nur schwer zu unterscheiden ist, ob etwas Hoffnung, Plan, Programm oder Szenario war. Auch Enttäuschung, Angst und Aktionismus konnten enge Verbindungen eingehen. Für ein Verständnis ihrer historischen Wirkmächtigkeit erscheint uns die Unterscheidung der Modi der Zukunftsgenerierung dennoch unerlässlich zu sein. Denn auch wenn der Inhalt einer Vorstellung, etwa die zukünftige Beseitigung des Hungers, konstant war, ist es historisch entscheidend, ob sie als Nebeneffekt einer kommunistischen Zielgesell- schaft, als entwicklungspolitische Planvorgabe oder als regulative Idee sozialer und ökologischer Prävention formuliert wurde.

Die Geschichte der Zukunft des 20. Jahrhunderts kann schon deshalb nur schwer als Geschichte inhaltlicher Zukunftsvorstellungen geschrieben wer- den, weil im Vergleich zu früheren Jahrhunderten immer breitere Gesell- schaftskreise zukunftsfähig wurden. Sie generierten Zukunft in vielfältigen Formen und Medien, die uns auch heute noch historiografisch zugänglich sind, sodass eine Geschichte der Zukunft sich nicht mehr auf die Höhenkammgeschichte der Inhalte beschränken kann, sondern vielmehr auch die Praktiken und Modi des Zukunftsbezugs in den Blick nehmen muss. Eine solche Geschichte der Zukunftsgenerierung antwortet auf die methodischen Probleme, die sich aus dem pluralen Zukunftsbezug im 20. Jahrhundert ergeben, mit einer Differenzierung auf struktureller Ebene. Dabei bietet die von uns entwickelte Zukunftstypologie vor allem heuristische Möglichkeiten sowohl für langfristig-diachrone als auch für situative Fragestellungen, welche die historische Zukunftsforschung enger an den historiografischen Methodenwandel der letzten Jahrzehnte anbinden können.

Dr. Rüdiger Graf, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, Am neuen Markt 1, 14467 Potsdam
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Benjamin Herzog, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Universitätsstraße 150, 44780 Bochum E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Quelle

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    Krisen und Zukunftsaneignungen in Deutschland 1918–1933, München 2008; Elke Seefried, Zukünfte. Eine Geschichte der Zukunftsforschung in den 1960er und 1970er Jahren,München 2015. Siehe auch die Sonderhefte der American Historical Review 117. 2012, H. 5 oder des JMEH 13. 2015; sowie allgemeiner zur Zeit Themenheft „Obsession der Gegenwart. Zeit im 20. Jahrundert“, GG Sonderhefte Bd. 25, hg. v. Alexander C.T. Geppert u. Till Kössler.
  3. Dies ist keine neue Erkenntnis; siehe Reinhart Wittram (Hg.), Zukunft in der Geschichte. Zu Grenzfragen der Geschichtswissenschaft und Theologie,Göttingen 1966. Zu diesem Anspruch siehe H-Soz-Kult, Tagungsbericht zu: Die Zukunft des 20. Jahrhunderts
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  7. Graf, Die Zukunft der Weimarer Republik, insb. S. 75 f.
  8. Stephen Kern, The Culture of Time and Space 1880– 1918, Cambridge, MA 1983; Anselm Doering-Manteuffel, Die deutsche Geschichte in den Zeitbögen des 20. Jahrhunderts, in: VfZ 62. 2014, S. 321–348; Elke Seefried, Reconfiguring the Future? Politics and Time from the 1960s to the 1980s. Introduction, in: JMEH 13. 2015, S. 306–316; Aleida Assmann, Ist die Zeit aus den Fugen? Aufstieg und Fall des Zeitregimes der Moderne, München 2013.
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  16. Siehe zu den Typen der Prognose Lucian Hölscher, Weltgericht oder Revolution; sowie Seefried, Zukünfte.
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  19. Siehe oben Anm. 7.
  20. Rudolf Bahro, Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus, Köln 1977; Sven Reichardt, Das alternative Milieu. Antibürgerlicher Lebensstil und linke Politik in der Bundesrepublik Deutschland und Europa 1968– 1983, Göttingen 2010.
  21. Samuel Moyn, The Last Utopia. Human Rights in History, Cambridge, MA 2010; siehe dazu auch Stefan-Ludwig Hoffmann, Introduction. Genealogies of Human Rights, in: ders. (Hg.), Human Rights in the Twentieth Century, Cambridge, MA 2010, S. 1–26.
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  24. Assmann, Ist die Zeit aus den Fugen?, S. 15.
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